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05.09.2014

ALICE-Kernphysiker ausgezeichnet

Die Preisträger Giubellino, Braun-Munzinger, Stachel und Schukraft während der Zeremonie. Bild: CERN

Vier Physiker der ALICE-Kollaboration haben diese Woche den Lise-Meitner-Preis der Europäischen Physikalischen Gesellschaft für ihre herausragenden Beiträge zur Kernphysik entgegen genommen. Johanna Stachel (Universität Heidelberg), Peter Braun-Munzinger (Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GSI in Darmstadt), Paolo Giubellino (INFN Turin, Italien, und CERN), und Jürgen Schukraft (CERN) wurden in einer Zeremonie im „Globe of Science and Innovation“ am CERN geehrt. Der Preis wird alle zwei Jahre für besondere Leistungen in experimenteller, theoretischer oder angewandter Kernphysik verliehen.

Die vier Wissenschaftler erhalten den Preis für „ihre herausragenden Beiträge zur experimentellen Untersuchung des Quark-Gluon-Plasmas mit Hilfe von ultrarelativistischer Atomkernkollisionen, und besonders ihre Beiträge zum Design und Bau des ALICE-Detektors, zur Gestaltung des Physikprogramms und der wissenschaftlichen Ergebnisse, die einzigartige und unerwartete Eigenschaften einer ungebundenen, der starken Wechselwirkung unterliegenden Materie bei den höchsten je im Labor erreichten Temperaturen gezeigt haben“, heißt es in der Würdigung.

Das Quark-Gluon-Plasma ist ein Materiezustand, der wenige Millionstel Sekunden nach dem Urknall geherrscht haben muss. Zu diesem Zeitpunkt war die Energiedichte extrem hoch, so dass laut Modellrechnungen ein Phasenübergang von Quarks und Gluonen in ein Plasma stattfindet. In diesem Quark-Gluon-Plasma sind die Quarks und Gluonen nicht aneinander gebunden, um Materieteilchen zu formen, sondern können sich frei bewegen – ein Zustand, der heute nicht mehr existiert und nur im Labor nachgestellt werden kann. Denn in der weiteren Entwicklung der Materie nach dem Urknall kühlte das Quark-Gluon-Plasma sich ab, und ab einer gewissen Temperatur entstanden aus Quarks und Gluonen erste gebundene Teilchen: Protonen und Neutronen, aus denen Atomkerne bestehen. In der Folge entstand normale Materie, wie wir sie kennen. Dieses Herausbilden von Teilchen aus dem Quark-Gluon-Plasma hatte großen Einfluss auf die anschließende Entwicklung des Universums. Deshalb werden die Eigenschaften dieses Zustandes am ALICE-Experiment am LHC untersucht.

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