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29.11.2019

Der Weihnachtsmann ist ein Physiker

Arnulf Quadt zeigt eine andere Seite des Weihnachtsmanns. Bild: Uni Göttingen / L. Korossy

Es gibt viele Arten von Adventskalendern. Jeden Dezember öffnen weltweit Menschen die 24 Überraschungstürchen. Manchmal verstecken sich Schokolade oder Kleinigkeiten hinter den Türchen, aber es gibt nur einen Adventskalender, bei dem jeden Tag ein Physikexperiment als Geschenk wartet. Ab dem 1. Dezember löst jedes Jahr ein mysteriöser, rotgewandeter, weißbärtiger Mann eine Kettenreaktion aus, und dann geht „Physik im Advent“ los.

Hinter dem weißen Bart steckt Arnulf Quadt. Er hat das einzigartige „Physik im Advent“-Projekt im Jahr 2013 begonnen, mit dem Ziel, den Spaß an der Physik und die Physik-Erkenntnisse weiter in den Alltag zu bringen. Wenn er im weltbekannten Weihnachtskostüm Experimente durchführt, ist es nur ein Teil seines Jobs.

Für alle, die das Projekt nicht kennen: Physik im Advent ist ein online-Adventskalender. Die angemeldeten Nutzer bekommen jeden Tag um 5:00 Uhr in einem Film ein neues Physik-Experiment – das man meist auch zu Hause nachmachen kann – vorgeführt und müssen bis 23:00 Uhr aus vier möglichen Lösungen wählen. Am nächsten Tag folgen die Auflösung und ein neues Experiment. Wer bis Heiligabend am Ball bleibt, hat nicht nur viel über Physik gelernt, sondern kann auch coole Preise gewinnen.

Quadt sagt: „Manche Lehrer erzählen mir, dass die Kinder morgens in die Schule kommen und schon im Schulbus mehr über Physik diskutieren als im Unterricht. Wie macht ihr das?‘“ Er lacht. „Der Weihnachtsmann, der macht das.“

Die komplette Kettenreaktion von 2017. Video: Uni Göttingen / L. Korossy

Quadt, ein Professor für Teilchenphysik an der Georg-August-Universität Göttingen, ist schon seit langem Organisator einer lokalen Physikshow und hat Erfahrung darin, mit einem breiten Publikum zu sprechen. Die Idee für Physik im Advent kam ihm durch seine Tochter. An einem Dezembertag vor einigen Jahren hatte sie etwas von der Schule mitgebracht: eine Übung aus dem Projekt „Mathe im Advent“. „Sie hat mir gesagt, ‚Papa, Du bist Physik-Professor‘“, erinnert sich Quadt. „,Sowas kannst du auch ohne Probleme machen!‘ Und dann habe ich gedacht: wie können wir diese Idee auf die Physik anwenden?“

Das am Anfang sehr kleine Projekt, das von seiner Tochter inspiriert war, ist inzwischen zu einem Renner geworden. Letztes Jahr besuchten 1,7 Millionen Besucher weltweit die Physik-im-Advent-Webseite. Neben Preisen wie Büchern, Freikarten für Kletterparks und iPads war der Hauptgewinn letztes Jahr eine Reise nach Dallas zu einem Spiel der Basketballmannschaft „Mavericks“. (Der deutsche Sportler Dirk Nowitzki spielt für die Mavericks und hat Quadt vor ein paar Jahren kennengelernt. Quadt erzählt: „Sein Mentor hat Physik studiert und hat seinen Wurf physikalisch analysiert, sodass er ihn optimieren konnte...Dirk hat viele Spiele mit Physik gewonnen.“)

Wie Mathe im Advent, ist Physik im Advent ein Wettbewerb, an dem einzelne Schülerinnen und Schüler oder ganze Klassen teilnehmen können. Jetzt, nach sieben Jahren Laufzeit, verwaltet ein Team von 10 Leuten aus ganz Europa und ein Mitarbeiter aus Indien den gesamten Wettbewerb. Die Teilnehmer kommen inzwischen nicht mehr nur aus Deutschland, denn alle Videos stehen auch auf Englisch zur Verfügung, deswegen sind Großbritannien und die USA auch dabei. Es gibt viele Teilnehmer aus Rumänien, Spanien und der Türkei, sowie Anfragen aus Indien und China. Das ist wirklich Wachstum pur.

Der Weihnachtsmann zeigt eine Auflösung in der 2018 Physik-im-Advent-Serie. Bild: Uni Göttingen / L. Korossy

„Die Menschen wollen Physik“, sagt Quadt. „Die trauen sich nur einfach nicht, das öffentlich zu sagen.“

Jedes Jahr steckt Arnulf Quadt viel Liebe in sein Projekt. Im Mai fängt das Team an, eine 24-teilige Kettenreaktion aufzunehmen (in dem Quadt selbst, aber auch seine Kolleginnen und Kollegen, als verfrühte Weihnachtsmänner und -frauen auftreten). Danach entwickelt ein Redaktionsteam die 24 Experimente im Juni, die Videos werden im August aufgenommen. Die Teilnehmer können sich ab dem 1. November anmelden. Nur Kinder zwischen 11 und 18 Jahren können Preise gewinnen, obwohl auch viele jüngere und ältere Personen mitmachen. Am 1. Dezember fängt der Wettbewerb an.

Physik im Advent wird aus vielen Ecken gefördert: unter anderem wird der Wettbewerb unterstützt von den Physikalischen Gesellschaften in Deutschland, der Schweiz, Österreich, den Niederlanden und auf gesamteuropäischer Ebene.

Hinter einem solchen Erfolg erwartet man jemand sichtbareres. Doch Quadt zieht es vor, hinter dem weißen Bart zu bleiben. „Ich möchte gern, dass die Leute nicht wissen, wer es durchgeführt hatte“, sagt er. „Deswegen habe ich jedes Jahr das gleiche Kostüm an. Es geht halt nur um die Physik.“

Wer sich in dieser Weihnachtszeit für Physik und Spaß interessiert, kann sich bis Anfang Dezember auf der Physik im Advent Webseite anmelden.

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