16.04.2010

Aus der Ferne beobachten

Der ATLAS-Kontrollraum bei DESY in Zeuthen.
Foto: DESY

Live dabei sein beim „eigenen“ Teilchendetektor, das ist eigentlich nur in den Kontrollräumen der Experimente direkt am CERN möglich. Doch für Forscher des ATLAS- und des CMS-Experiments gibt es auch eine Alternative. Beide Experimente verfügen weltweit über mehrere so genannte Remote-Monitoring-Räume. In Deutschland gibt es insgesamt drei dieser Räume: ein CMS-Centre bei DESY in Hamburg und zwei ATLAS-Kontrollräume, einen in Hamburg und einen in Zeuthen.

„Wichtig ist der Raum nicht nur für die Überwachung des Detektors, sondern auch für die Kommunikation mit den Kollegen am CERN“, sagt Thomas Naumann, der die ATLAS-Kontrollräume maßgeblich mit geplant hat. So ermöglicht der Kontrollraum es den Forschern auch, von DESY aus an den wöchentlichen ATLAS-Meetings am CERN teilzunehmen, in denen die aktuellen Entwicklungen, Probleme und Resultate des Experiments diskutiert werden.

Auch für die CMS-Gruppe ist der Kontrollraum ein wichtiges Kommunikationszentrum. Darüber hinaus können hier anerkannte Service-Aufgaben übernommen werden. Zu diesen Aufgaben, von denen jede am CMS-Experiment beteiligte Gruppe eine gewisse Anzahl leisten muss, gehören auch Schichten im Kontrollraum.

Der ATLAS-Kontrollraum in Zeuthen wurde pünktlich zum Physik-Start des LHC am 30. März fertiggestellt und eingeweiht. So konnten die Physiker und die interessierte Presse die ersten Kollisionen in ihrem Detektor live aus dem Kontrollraum verfolgen. „Auch bei ATLAS erwarten wir bald die Anerkennung externer Schichten“, freut sich Naumann.

Das CMS-Centre in Hamburg
Foto: DESY

Kontrollraum ist aber für beide Räume eigentlich nicht der richtige Name. Vielmehr handelt es sich um Überwachungsräume, denn ein Fernsteuern der Experimente soll nicht stattfinden. Ein Eingreifen in den Betrieb ist nach wie vor nur von den „richtigen“ Kontrollräumen am CERN aus gestattet. Eine der Hauptaufgaben der externen Kontrollräume ist die Kontrolle der Datenqualität. Im CMS-Centre wird zum Beispiel eine von vier sechsstündigen „Offline-Data-Quality-Monitoring“-Schichten übernommen, die täglich anfallen. Bei diesen Schichten wird überprüft, ob alle Detektorkomponenten auch mit voller Leistung und ohne Fehler gelaufen sind und damit die genommenen Daten auch eine hohe Qualität haben.

Alle Schichten an den Detektoren sind rund um die Uhr besetzt – also jeden Tag der Woche für 24 Stunden. Bei den Schichten, die von den Remote-Kontrollräumen übernommen werden, zeigt das Konzept einen seiner größten Vorteile: Es gibt nur noch Tag-Schichten. „Morgens beginnt CERN mit der ersten Schicht, dann folgen wir von 13 bis 19 Uhr, und die letzten beiden Schichten übernehmen die Kollegen beim Fermilab in den USA – bei denen ist dann ja Tag“, freut sich Krücker.

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