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15.07.2011

Ein kleiner Teil des großen Ganzen

Caverne des LHCb-Detektors
Foto: CERN

Die Schritte in der Grundlangenforschung sind klein. Jedem wissenschaftlichen Ergebnis, jeder grafischen Darstellung, jeder Tabelle, geht ein Haufen akribischer Arbeit voraus. Und der Traum vieler Doktoranden am LHC ist es, dass ein eigenes Ergebnis dann vielleicht einmal auf einer der großen Konferenzen der Teilchenphysik, die jedes Jahr stattfinden, vorgestellt wird – und sei es nur eine Grafik auf einer Folie.

Sebastian Wandernoth ist einer dieser Doktoranden. Mit seiner Arbeitsgruppe in Heidelberg untersucht er das Verhalten von b-Quarks mit dem LHCb-Detektor. Sein Interesse gilt dabei besonders einer gewissen Art von Teilchen, die b-Quarks enthalten, den so genannten B-Mesonen. Elektrisch neutrale B-Mesonen zeigen ein ungewöhnliches Verhalten, das für die Wissenschaftler besonders interessant ist: Teilchen und Antiteilchen wandeln sich ständig in einander um. Durch diese Umwandlung könnten B-Mesonen Aufschluss darüber geben, warum nach dem Urknall mehr Materie als Antimaterie übrig geblieben ist, obwohl beide beim Urknall in gleichen Mengen entstanden sind.

Mit dieser so genannten Oszillation von B-Mesonen hat sich Wandernoth bereits in seiner Diplomarbeit beschäftigt. Allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: „Zu dem Zeitpunkt habe ich noch mit am Computer simulierten Daten und nicht wie jetzt mit echten Daten gearbeitet.“ Doch die Arbeit hat sich gelohnt, denn alle Computerprogramme, die Wandernoth für seine Diplomarbeit geschrieben hat, kann er nun weiterverwenden. Mittlerweile wurden Ergebnisse, die er im Rahmen seiner Doktorarbeit erarbeitet hat, auf großen Konferenzen präsentiert. „Auch wenn andere die Vorträge halten – es ist schon toll zu sehen, wenn die eigenen Ergebnisse gezeigt werden“, erzählt Wandernoth.

Damit ein Ergebnis so ausgereift ist, dass es auf einer Konferenz gezeigt werden kann, muss viel Arbeit investiert werden. Etliche Absprachen innerhalb der Kollaboration sind notwendig – und das über große räumliche Distanzen hinweg. „Bei der Abstimmung von Ergebnissen gibt es verschiedene Mittel“, erklärt Wandernoth. „Von exzessiver Kommunikation per E-Mail, über Telefondiskussionen und Videokonferenzen bis hin zu persönlichen Treffen. Am effektivsten sind natürlich die Treffen – per Mail kann sich etwas über mehrere Tage hinziehen.“ Im Normalfall werden Ergebnisse einmal pro Woche per Telefonkonferenz besprochen, doch geht es auf Konferenzen oder Veröffentlichungen zu, erhöht sich die Taktung deutlich. „In so einer heißen Phase fahre ich auch ans CERN, um Ergebnisse vor Ort und nicht per Telefon zu diskutieren“, erzählt Wandernoth, der sonst die meiste Zeit in seinem Büro in Heidelberg arbeitet.

Doch nicht nur Analysen stehen auf dem Arbeitsplan von Wandernoth: auch Service-Aufgaben – wie Schichten im Kontrollraum – gehören zu seiner Arbeit. Da war es für ihn eine spannende Abwechslung, Besucher durch die Ausstellung Weltmaschine zu führen, die 2009 in Heidelberg zu Gast war.

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